Monday, August 16. 2010
Eine neue Prokrastinationsmöglichkeit: Real Time Web Analytics
Real-time Web ist zweifellos eine coole Sache. Die Möglichkeit Inhalte zu finden sobald sie produziert wurden und somit die extrem schnelle Verbreitung der Informationen finde ich faszinierend und nutze sie sehr gerne. Allerdings habe ich das Gefühl, dass "Real Time" jetzt zu einem neuen Modewort geworden. In der letzten Zeit schießen z.B. die Real Time Web Analytics Anbieter wie Pilze aus dem Boden.
Eigentlich hat es mich überrascht dass es zu dem Thema kaum welche Beiträge in der deutschen Blogosphäre zu finden sind. Ich war von Anfang an eher skeptisch der Idee gegenüber und wollte meine Meinung mit der der anderen konfrontieren. Aber anscheinend ist das Thema nicht wichtig genug - was mich ehrlich gesagt beruhigt.
Die Real TIme Web Analytics unterscheiden sich nämlich nur darin von den "normalen" Web Analytics, dass sie die Analysedaten (Traffic, Referrals, Content, Geographie etc.) in Echtzeit auswerten. Toll, mag man zuerst denken. Aber ganz ehrlich, ist das wirklich ein Mehrwert? In einzelnen Fällen, bei sehr kurzen und intensiven Kampagnen kann es sein dass Real Time Daten hilfreich sind (auch wenn ich glaube, dass auch in dem Fall die stündige Aktualisierung der Daten, die bei den meisten Analytics-Anbieter stattfindet, ausreichen sollte). In den meisten Fällen gilt aber meines Erachtens folgendes:
Zu dem Thema auch lesenswert: Avinash Kaushik on Real Time Analytics and Powerful Blogging
Eigentlich hat es mich überrascht dass es zu dem Thema kaum welche Beiträge in der deutschen Blogosphäre zu finden sind. Ich war von Anfang an eher skeptisch der Idee gegenüber und wollte meine Meinung mit der der anderen konfrontieren. Aber anscheinend ist das Thema nicht wichtig genug - was mich ehrlich gesagt beruhigt.
Die Real TIme Web Analytics unterscheiden sich nämlich nur darin von den "normalen" Web Analytics, dass sie die Analysedaten (Traffic, Referrals, Content, Geographie etc.) in Echtzeit auswerten. Toll, mag man zuerst denken. Aber ganz ehrlich, ist das wirklich ein Mehrwert? In einzelnen Fällen, bei sehr kurzen und intensiven Kampagnen kann es sein dass Real Time Daten hilfreich sind (auch wenn ich glaube, dass auch in dem Fall die stündige Aktualisierung der Daten, die bei den meisten Analytics-Anbieter stattfindet, ausreichen sollte). In den meisten Fällen gilt aber meines Erachtens folgendes:
- Wenn man nicht in Echtzeit reagieren kann, braucht man auch keine Echtzeitdaten.
- Real time Analysen machen nur Sinn, wenn sie auch real time beobachtet werden – sind also zeitintensiv und halten ggf. die Mitarbeiter von strategisch sinnvolleren Beschäftigungen ab. Man kann sich kaum eine bessere Prokrastinationsmöglichkeit vorstellen - einfach alle Paar Minuten neue Reports generieren
Zu dem Thema auch lesenswert: Avinash Kaushik on Real Time Analytics and Powerful Blogging
Posted by Agnieszka Walorska
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Wednesday, August 11. 2010
Jamba und Horst Wessel....
Eine interessante Entdeckung kann man manchmal bei einem digitalen Ausflug in die Geschichte machen... Die Suche nach dem Horst-Wessel-Lied - einen der wichtigsten Gesänge des Nationalsozialismus ergab unter anderem folgendes Resultat:

Klickt man auf die unübersehbare Aufforderung zum Herunterladen des Klingeltons landet man auf dieser schönen Landing Page:

Hier noch mal die URL so dass man das wirklich sehen kann - ja, da steht tatsächlich: http://ace.jamba.de/...HORST+WESSEL+LIED etc.

Ganz schön krass... Ich habe versucht dieses Lied tatsächlich als Klingelton runter zu laden - dies ging allerdings nicht... Aber schon die Tatsache, dass dieses Lied für die Lead-Generierung von Jamba verwendet wird halte ich für, na ja, etwas unpassend. Vor allem ist nach § 86a StGB (wenn ich die Auslegung richtig verstanden habe)ist dieses Lied verboten - außer für Bildungszwecke... Es würde mich interessieren wie die Rechtslage in diesem Fall aussieht - ist es rechtskonform dieses Lied zu Werbezwecken zu verwenden? Auch wenn diese Lead-Generiert im größten Teil automatisiert läuft?
Auch wenn das nicht rechtswidrig ist - ziemlich geschmacklos ist das ohnehin...

Klickt man auf die unübersehbare Aufforderung zum Herunterladen des Klingeltons landet man auf dieser schönen Landing Page:

Hier noch mal die URL so dass man das wirklich sehen kann - ja, da steht tatsächlich: http://ace.jamba.de/...HORST+WESSEL+LIED etc.
Ganz schön krass... Ich habe versucht dieses Lied tatsächlich als Klingelton runter zu laden - dies ging allerdings nicht... Aber schon die Tatsache, dass dieses Lied für die Lead-Generierung von Jamba verwendet wird halte ich für, na ja, etwas unpassend. Vor allem ist nach § 86a StGB (wenn ich die Auslegung richtig verstanden habe)ist dieses Lied verboten - außer für Bildungszwecke... Es würde mich interessieren wie die Rechtslage in diesem Fall aussieht - ist es rechtskonform dieses Lied zu Werbezwecken zu verwenden? Auch wenn diese Lead-Generiert im größten Teil automatisiert läuft?
Auch wenn das nicht rechtswidrig ist - ziemlich geschmacklos ist das ohnehin...
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Thursday, July 29. 2010
Individuum in der Masse
José Ortega y Gasset schrieb in seinem Aufstand der Massen:
Man will jetzt unbedingt die Schuldigen finden. Man weiß doch dass man die Tragödie hätte verhindern können/ die Veranstaltung nicht hätte genehmigen sollen. Post factum ist man ja auch immer schlauer.
Ich will keinen rechtfertigen und auch keinen verurteilen. Was mich interessiert ist: kann man derartige Ereignisse vorhersehen? Oder sind das auch von ihrer Natur her "schwarze Schwäne"? Jedes Jahr passieren mehrere Crowd Disasters: Sportveranstaltungen, Konzerte, Demonstrationen, Religöse Veranstaltungen, deren Ablauf und Folgen ähnlich den bei der Loveparade sind. Hätte man sie alle verhindern können? Sicher gibt es Möglichkeiten das Risiko zu mindern aber kann man wirklich die Natur der Masse austricksen?
Man ist empört: "wie könnten nun die Menschen die liegenden zertrampeln".
Abgesehen davon, das viele wahrscheinlich gar keine Möglichkeit hatten aus zu weichen, auch wenn sie gerade daran dachten, als Teil der Masse denkt man anders als als ein Individuum.
schreibt Gustave Le Bon in der Psychologie der Massen. In der Masse geht das verloren, was die Menschen als Individuen ausmacht. Es entstehen kollektive GefĂĽhle, kollektives Moral und kollektive Handlungen die nichts mit den Werten der Menschen die Teil der Masse sind zu tun haben. Die masse wird zu einem Organismus, das sein eigenes leben lebt.
Aber nicht nur das Ereigniss selbst, sondern auch die Berichterstattung wird von einem Massenverhalten (einer etwas anderer Art) gekennzeichnet. Die Berichterstatter und -empfänger werden zur Masse, die zwar nicht durch physische Nähe gekennzeichnet wird, aber durch kollektives Fühlen und Urteilen: Glorifizierung der Opfer und Suche nach dem Sündenbock.
Ihrem eigenen Trieb überlassen, neigt die Masse, sie sei, wie sie sei, plebejisch oder "aristokratisch", immer dazu, aus Lebensbegierde die Grundlagen ihres Lebens zu zerstören.Wie gut passt das zu den Ereignissen auf der letzten Loveparade... Ich habe mich mit dem Thema des Massenverhaltens und Massenpsychologie seit 5-6 Jahren nicht mehr wirklich beschäftigt, aber das Geschehen des letzten Wochenendes und viel mehr die öffentlichen Reaktionen darauf haben mich wieder zu den alten Büchern und Ausätzen geführt.
Man will jetzt unbedingt die Schuldigen finden. Man weiß doch dass man die Tragödie hätte verhindern können/ die Veranstaltung nicht hätte genehmigen sollen. Post factum ist man ja auch immer schlauer.
Ich will keinen rechtfertigen und auch keinen verurteilen. Was mich interessiert ist: kann man derartige Ereignisse vorhersehen? Oder sind das auch von ihrer Natur her "schwarze Schwäne"? Jedes Jahr passieren mehrere Crowd Disasters: Sportveranstaltungen, Konzerte, Demonstrationen, Religöse Veranstaltungen, deren Ablauf und Folgen ähnlich den bei der Loveparade sind. Hätte man sie alle verhindern können? Sicher gibt es Möglichkeiten das Risiko zu mindern aber kann man wirklich die Natur der Masse austricksen?
Man ist empört: "wie könnten nun die Menschen die liegenden zertrampeln".
Abgesehen davon, das viele wahrscheinlich gar keine Möglichkeit hatten aus zu weichen, auch wenn sie gerade daran dachten, als Teil der Masse denkt man anders als als ein Individuum.
Allein durch die Tatsache, Glied einer Masse zu sein, steigt der Mensch also mehrere Stufen von der Leiter der Kultur hinab. Als einzelner war er vielleicht ein gebildetes Individuum, in der Masse ist er ein Triebwesen, also ein Barbar. Er hat die Unberechenbarkeit, die Heftigkeit, die Wildheit aber auch die Begeisterung und die Heldenmut ursprünglicher Wesen, denen er auch durch die Leichtigkeit ähnelt, mit der er sich von Worten und Vorstellungen beeinflussen und zu Handlungen verführen lässt, die seine augenscheinlichsten Interessen verletzen.
schreibt Gustave Le Bon in der Psychologie der Massen. In der Masse geht das verloren, was die Menschen als Individuen ausmacht. Es entstehen kollektive GefĂĽhle, kollektives Moral und kollektive Handlungen die nichts mit den Werten der Menschen die Teil der Masse sind zu tun haben. Die masse wird zu einem Organismus, das sein eigenes leben lebt.
Aber nicht nur das Ereigniss selbst, sondern auch die Berichterstattung wird von einem Massenverhalten (einer etwas anderer Art) gekennzeichnet. Die Berichterstatter und -empfänger werden zur Masse, die zwar nicht durch physische Nähe gekennzeichnet wird, aber durch kollektives Fühlen und Urteilen: Glorifizierung der Opfer und Suche nach dem Sündenbock.
Monday, July 26. 2010
Ein Paar empfehlenswerte Umfragetools
Ich wurde in der letzten Zeit ziemlich oft nach empfehlenswerten und bezahlbaren Online-Umfragetools gefragt. Deswegen kommt heute eine kurze Zusammenstellung:
- LimeSurvey Ist eine Open-Source-Anwendung, die es ermöglicht sowohl einfache als auch komplexe Umfragen zu erstellen und aus zu werten. LimeSurvey ist Templatebasiert – es kann also einfach den gewünschten Layout und Style annehmen. Es bietet Vorlagen für wahrscheinlich alle denkbaren Fragetypen. Die Fragen können in einem WYSIWYG-Editor bearbeitet werden, es können auch Bilder eingebunden werden. Es gibt ebenso gute Auswertungsmöglichkeit und eine Option die Daten in ein SPSS-kompatibles Format zu exportieren. Das Backend ist allerdings ziemlich wenig intuitiv und benutzerfreundlich – man braucht schon einiges an Zeit bis man alle Funktionen verstanden hat und anwenden kann.
- Einen ähnlichen Umfang bietet Classapps – mit dem unterschied, dass es wesentlich intuitiver und benutzerfreundlicher ist. Gehostete Version kostet allerdings ab 49,90$ pro Monat und die Lizenz für die Installation auf dem eigenen Server einmalig 675,99. Das scheint mir etwas viel zu sein, vor allem, da es ausreichend kostenlose bzw. günstigere Lösungen gibt.
- Onlineumfrage.com – perfekt wenn man unter Zeitdruck steht und die Umfrage sofort umgesetzt werden soll. Ich fand es sehr einfach mich dort zu recht zu finden. Es ist möglich alle Standard-Fragetypen zu erstellen und die Auswertungsmöglichkeiten sind auch ordentlich. Die Möglichkeiten der optischen Anpassung sind eher begrenzt, es kann aber immerhin eigenes Logo und Footer eingebunden werden und die Farben lassen sich auch anpassen. Eine Umfrage mit unlimitierter Anzahl an Fragen wie auch unlimitierten Funktionsumfang, beschränkt auf 20 Befragten ist kostenfrei, ansonsten 0,02€ pro Antwort. Ein faires Modell, finde ich.
- ke_questionnaire – eine sehr praktische Open-Source-Lösung, wenn man TYPO3 als CMS verwendet. ke_questionnaire ist nämlich eine TYPO3-Erweiterung. Es bietet alle üblichen Fragetypen an und die Erstellung der Fragebögen halte ich für wesentlich benutzerfreundlicher als bei Limesurvey. Die Umfragen lassen sich grafisch anpassen und die Ergebnisse werden ansprechend dargestellt.
- Zoomerang – eine ganz nette, allerdings kostenpflichtige Lösung. Es bietet eine freie Version mit 12 Fragen und 100 Antworten in 40 Sprachen. Es gibt eine Möglichkeit des direkten Sharing über Facebook und Twitter. Allerdings sind in dieser Version die Individualisierungs- wie auch Auswertungsmöglichkeit eingeschränkt. Eine Pro-Version für 199$ pro Jahr erweitert diese Möglichkeiten und macht Zoomerang zum vollwertigen Umfragetool.
Posted by Agnieszka Walorska
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Thursday, July 15. 2010
Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse
Ich bin letztens endlich dazu gekommen etwas zu lesen, was nichts direkt mit Web, Usability, etc. zu tun hat, sondern viel mehr mit den anderen mich faszinierenden Themen wie Entscheidungstheorie, Logik, Rationalität und Zufall zu tun hat. Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse von Nassim Nicholas Taleb ist ein sehr spannend geschriebenes und angenehm zu lesendes philosophisch-populärwissentschaftliches Buch mit autobiographischen Akzenten. In dem Buch stellt er die Theorie der schwarzen Schwäne dar - eine Theorie nach der vor allem die unvorhersehbaren und höchst unwahrscheinlichen Ereignisse, die extremen Ausreißer den Lauf der Geschichte bestimmen. Schwer damit nicht überein zu stimmen: Hitlers Machtergreifung, Zerfall der Sowjetunion, 11 September, die Entstehung von World Wide Web, der Erfolg von Facebook - alles schwarze Schwäne, auch wenn sich im Nachhinein immer viele Experten finden, die behaupten die Ereignisse vorher gesehen zu haben und man post factum natürlich unzählige Indizien für das kommen der Ereignisse findet.
Talebs Lösung des Problems der Unvorhersagbarkeit halte ich allerdings für nur bedingt Überzeugend und zum Teil seiner ablehnung der Vorhersagen widersprechend. Er empfiehlt z.B. zwischen positiven und negativen Zufällen zu unterscheiden und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der ersten zu Maximieren, was eigentlich aber per se eine Vorhersage voraussetzt. Nämlich die darüber, ob man in deinem bestimmten Bereich eher mit den negativen oder mit den positiven Zufällen zu rechnen hat.
Ich finde, dass die in dem Buch dargestellten Ideen nicht besonders neu und bahnbrechend sind - ich halte sie eher fĂĽr eine interessante Synthese bereits vorher existierenden Gedanken aus der Philosophie, Psychologie und Logik. Ich halte seine Beobachtungen und die verwendeten Beispiele fĂĽr ziemlich zutreffend und seinen Stil fĂĽr ziemlich witzig, auch wenn einige seiner Formulierungen wirklich sehr arrogant und eingebildet wirken und den Anschein erwecken nur dem Ego-Aufbau des Autors zu dienen.
Trotzdem - finde ich gut es gelesen zu haben, auf jedem Fall keine verlorene Zeit gewesen. Egal ob und in welchem MaĂźe man mit dem Autor ĂĽbereinstimmt - er regt zum Nachdenken und zur Diskussion an.
Talebs Lösung des Problems der Unvorhersagbarkeit halte ich allerdings für nur bedingt Überzeugend und zum Teil seiner ablehnung der Vorhersagen widersprechend. Er empfiehlt z.B. zwischen positiven und negativen Zufällen zu unterscheiden und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der ersten zu Maximieren, was eigentlich aber per se eine Vorhersage voraussetzt. Nämlich die darüber, ob man in deinem bestimmten Bereich eher mit den negativen oder mit den positiven Zufällen zu rechnen hat.
Ich finde, dass die in dem Buch dargestellten Ideen nicht besonders neu und bahnbrechend sind - ich halte sie eher fĂĽr eine interessante Synthese bereits vorher existierenden Gedanken aus der Philosophie, Psychologie und Logik. Ich halte seine Beobachtungen und die verwendeten Beispiele fĂĽr ziemlich zutreffend und seinen Stil fĂĽr ziemlich witzig, auch wenn einige seiner Formulierungen wirklich sehr arrogant und eingebildet wirken und den Anschein erwecken nur dem Ego-Aufbau des Autors zu dienen.
Trotzdem - finde ich gut es gelesen zu haben, auf jedem Fall keine verlorene Zeit gewesen. Egal ob und in welchem MaĂźe man mit dem Autor ĂĽbereinstimmt - er regt zum Nachdenken und zur Diskussion an.
Posted by Agnieszka Walorska
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