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Individuum in der Masse
José Ortega y Gasset schrieb in seinem Aufstand der Massen:
Man will jetzt unbedingt die Schuldigen finden. Man weiß doch dass man die Tragödie hätte verhindern können/ die Veranstaltung nicht hätte genehmigen sollen. Post factum ist man ja auch immer schlauer.
Ich will keinen rechtfertigen und auch keinen verurteilen. Was mich interessiert ist: kann man derartige Ereignisse vorhersehen? Oder sind das auch von ihrer Natur her "schwarze Schwäne"? Jedes Jahr passieren mehrere Crowd Disasters: Sportveranstaltungen, Konzerte, Demonstrationen, Religöse Veranstaltungen, deren Ablauf und Folgen ähnlich den bei der Loveparade sind. Hätte man sie alle verhindern können? Sicher gibt es Möglichkeiten das Risiko zu mindern aber kann man wirklich die Natur der Masse austricksen?
Man ist empört: "wie könnten nun die Menschen die liegenden zertrampeln".
Abgesehen davon, das viele wahrscheinlich gar keine Möglichkeit hatten aus zu weichen, auch wenn sie gerade daran dachten, als Teil der Masse denkt man anders als als ein Individuum.
schreibt Gustave Le Bon in der Psychologie der Massen. In der Masse geht das verloren, was die Menschen als Individuen ausmacht. Es entstehen kollektive Gefühle, kollektives Moral und kollektive Handlungen die nichts mit den Werten der Menschen die Teil der Masse sind zu tun haben. Die masse wird zu einem Organismus, das sein eigenes leben lebt.
Aber nicht nur das Ereigniss selbst, sondern auch die Berichterstattung wird von einem Massenverhalten (einer etwas anderer Art) gekennzeichnet. Die Berichterstatter und -empfänger werden zur Masse, die zwar nicht durch physische Nähe gekennzeichnet wird, aber durch kollektives Fühlen und Urteilen: Glorifizierung der Opfer und Suche nach dem Sündenbock.
Ihrem eigenen Trieb überlassen, neigt die Masse, sie sei, wie sie sei, plebejisch oder "aristokratisch", immer dazu, aus Lebensbegierde die Grundlagen ihres Lebens zu zerstören.Wie gut passt das zu den Ereignissen auf der letzten Loveparade... Ich habe mich mit dem Thema des Massenverhaltens und Massenpsychologie seit 5-6 Jahren nicht mehr wirklich beschäftigt, aber das Geschehen des letzten Wochenendes und viel mehr die öffentlichen Reaktionen darauf haben mich wieder zu den alten Büchern und Ausätzen geführt.
Man will jetzt unbedingt die Schuldigen finden. Man weiß doch dass man die Tragödie hätte verhindern können/ die Veranstaltung nicht hätte genehmigen sollen. Post factum ist man ja auch immer schlauer.
Ich will keinen rechtfertigen und auch keinen verurteilen. Was mich interessiert ist: kann man derartige Ereignisse vorhersehen? Oder sind das auch von ihrer Natur her "schwarze Schwäne"? Jedes Jahr passieren mehrere Crowd Disasters: Sportveranstaltungen, Konzerte, Demonstrationen, Religöse Veranstaltungen, deren Ablauf und Folgen ähnlich den bei der Loveparade sind. Hätte man sie alle verhindern können? Sicher gibt es Möglichkeiten das Risiko zu mindern aber kann man wirklich die Natur der Masse austricksen?
Man ist empört: "wie könnten nun die Menschen die liegenden zertrampeln".
Abgesehen davon, das viele wahrscheinlich gar keine Möglichkeit hatten aus zu weichen, auch wenn sie gerade daran dachten, als Teil der Masse denkt man anders als als ein Individuum.
Allein durch die Tatsache, Glied einer Masse zu sein, steigt der Mensch also mehrere Stufen von der Leiter der Kultur hinab. Als einzelner war er vielleicht ein gebildetes Individuum, in der Masse ist er ein Triebwesen, also ein Barbar. Er hat die Unberechenbarkeit, die Heftigkeit, die Wildheit aber auch die Begeisterung und die Heldenmut ursprünglicher Wesen, denen er auch durch die Leichtigkeit ähnelt, mit der er sich von Worten und Vorstellungen beeinflussen und zu Handlungen verführen lässt, die seine augenscheinlichsten Interessen verletzen.
schreibt Gustave Le Bon in der Psychologie der Massen. In der Masse geht das verloren, was die Menschen als Individuen ausmacht. Es entstehen kollektive Gefühle, kollektives Moral und kollektive Handlungen die nichts mit den Werten der Menschen die Teil der Masse sind zu tun haben. Die masse wird zu einem Organismus, das sein eigenes leben lebt.
Aber nicht nur das Ereigniss selbst, sondern auch die Berichterstattung wird von einem Massenverhalten (einer etwas anderer Art) gekennzeichnet. Die Berichterstatter und -empfänger werden zur Masse, die zwar nicht durch physische Nähe gekennzeichnet wird, aber durch kollektives Fühlen und Urteilen: Glorifizierung der Opfer und Suche nach dem Sündenbock.
Thursday, July 15. 2010
Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse
Ich bin letztens endlich dazu gekommen etwas zu lesen, was nichts direkt mit Web, Usability, etc. zu tun hat, sondern viel mehr mit den anderen mich faszinierenden Themen wie Entscheidungstheorie, Logik, Rationalität und Zufall zu tun hat. Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse von Nassim Nicholas Taleb ist ein sehr spannend geschriebenes und angenehm zu lesendes philosophisch-populärwissentschaftliches Buch mit autobiographischen Akzenten. In dem Buch stellt er die Theorie der schwarzen Schwäne dar - eine Theorie nach der vor allem die unvorhersehbaren und höchst unwahrscheinlichen Ereignisse, die extremen Ausreißer den Lauf der Geschichte bestimmen. Schwer damit nicht überein zu stimmen: Hitlers Machtergreifung, Zerfall der Sowjetunion, 11 September, die Entstehung von World Wide Web, der Erfolg von Facebook - alles schwarze Schwäne, auch wenn sich im Nachhinein immer viele Experten finden, die behaupten die Ereignisse vorher gesehen zu haben und man post factum natürlich unzählige Indizien für das kommen der Ereignisse findet.
Talebs Lösung des Problems der Unvorhersagbarkeit halte ich allerdings für nur bedingt Überzeugend und zum Teil seiner ablehnung der Vorhersagen widersprechend. Er empfiehlt z.B. zwischen positiven und negativen Zufällen zu unterscheiden und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der ersten zu Maximieren, was eigentlich aber per se eine Vorhersage voraussetzt. Nämlich die darüber, ob man in deinem bestimmten Bereich eher mit den negativen oder mit den positiven Zufällen zu rechnen hat.
Ich finde, dass die in dem Buch dargestellten Ideen nicht besonders neu und bahnbrechend sind - ich halte sie eher für eine interessante Synthese bereits vorher existierenden Gedanken aus der Philosophie, Psychologie und Logik. Ich halte seine Beobachtungen und die verwendeten Beispiele für ziemlich zutreffend und seinen Stil für ziemlich witzig, auch wenn einige seiner Formulierungen wirklich sehr arrogant und eingebildet wirken und den Anschein erwecken nur dem Ego-Aufbau des Autors zu dienen.
Trotzdem - finde ich gut es gelesen zu haben, auf jedem Fall keine verlorene Zeit gewesen. Egal ob und in welchem Maße man mit dem Autor übereinstimmt - er regt zum Nachdenken und zur Diskussion an.
Talebs Lösung des Problems der Unvorhersagbarkeit halte ich allerdings für nur bedingt Überzeugend und zum Teil seiner ablehnung der Vorhersagen widersprechend. Er empfiehlt z.B. zwischen positiven und negativen Zufällen zu unterscheiden und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der ersten zu Maximieren, was eigentlich aber per se eine Vorhersage voraussetzt. Nämlich die darüber, ob man in deinem bestimmten Bereich eher mit den negativen oder mit den positiven Zufällen zu rechnen hat.
Ich finde, dass die in dem Buch dargestellten Ideen nicht besonders neu und bahnbrechend sind - ich halte sie eher für eine interessante Synthese bereits vorher existierenden Gedanken aus der Philosophie, Psychologie und Logik. Ich halte seine Beobachtungen und die verwendeten Beispiele für ziemlich zutreffend und seinen Stil für ziemlich witzig, auch wenn einige seiner Formulierungen wirklich sehr arrogant und eingebildet wirken und den Anschein erwecken nur dem Ego-Aufbau des Autors zu dienen.
Trotzdem - finde ich gut es gelesen zu haben, auf jedem Fall keine verlorene Zeit gewesen. Egal ob und in welchem Maße man mit dem Autor übereinstimmt - er regt zum Nachdenken und zur Diskussion an.
Posted by Agnieszka Walorska
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21:01
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Defined tags for this entry: buch, entscheidung, entscheidungspsychologie, entscheidungstheorie, logik, psychologie, rationalität, statistik, zufall

Monday, June 7. 2010
The Design of Everyday Things
The Design of Everyday Things von Don Norman - aus diesem Buch habe ich im laufe der letzten paar Jahren immer wieder einzelne Ausschnitte gelesen. An dem vergangenen Wochenende habe ich mir aber endlich die Zeit dafür genommen es vom Anfang bis Ende durch zu lesen. Das hat sich auch definitiv gelohnt und ich würde es auch jedem empfehlen, der sich mit Konzeption und Design jeglicher Produkte die von den Nutzern verwendet werden sollen beschäftigt. Das Buch wurde 1988 geschrieben, wo es noch längst nicht über Web-Usability (es gab ja noch keine Websites) die Rede war, nicht desto trotz lassen sich die dort beschriebenen Prinzipien direkt auf das Web übertragen.
Ursprünglich hieß das Buch eigentlich The Psychology of Everyday Things, da dieser Titel aber etwas zu "akademisch" klang (wie Norman es selbst in dem Vorwort erklärt) wurde es umbenannt. Ich halte allerdings den ursprünglichen Titel für etwas zutreffender. Auf eine interessante Art werden dort die psychologischen Mechanismen dargestellt die die Interaktion des Nutzers mit dem Produkt beeinflussen. Zum Beispiel:
Ein interessantes Zitat aus dem Buch ist mir übrigens in einem etwas anderen Kontext aufgefallen (bedenken - Jahr 1988):
Tatsächlich, 1993 erschien der erster PDA, EO440 bzw. 880 von AT&T und wenige Jahre später kamen die ersten Smartphones auf den Markt
Ursprünglich hieß das Buch eigentlich The Psychology of Everyday Things, da dieser Titel aber etwas zu "akademisch" klang (wie Norman es selbst in dem Vorwort erklärt) wurde es umbenannt. Ich halte allerdings den ursprünglichen Titel für etwas zutreffender. Auf eine interessante Art werden dort die psychologischen Mechanismen dargestellt die die Interaktion des Nutzers mit dem Produkt beeinflussen. Zum Beispiel:
- Mentale Modelle
- Kognitive Verzerrungen
- Diverse Gedächtnissysteme
- Bewusstsein und Unterbewusstsein
- Sozialer Einfluss
Ein interessantes Zitat aus dem Buch ist mir übrigens in einem etwas anderen Kontext aufgefallen (bedenken - Jahr 1988):
I'm waiting for the day when portable computers become small enough that I can keep one with me at all times. [...] It has to be small. It has to be convenient to use. And it has to be relatively powerfull [...]. It has to have a full, standard typerwriter keyboard and a reasonably large display. It needs good graphics [...] and a lot of memory [...]. And it should be easy to hook up to the telephone; I need to connect it to my home and laboratory computers
[...] it will exist in imperfect form in five years, possibly in perfect form in ten.
Tatsächlich, 1993 erschien der erster PDA, EO440 bzw. 880 von AT&T und wenige Jahre später kamen die ersten Smartphones auf den Markt
Posted by Agnieszka Walorska
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19:27
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Defined tags for this entry: buch, design, psychologie, usability, user centered design, user experience

Wednesday, May 19. 2010
Thinking-aloud bei Usability-Tests - ist das immer von Vorteil?
Die Thinking-aloud Methode ist ein gängiges Vorgehen im Usability-Testing, dessen Ziel ist die Gedanken des Nutzers während der Interaktion mit dem Produkt zu erfassen. Während des Tests wird der Nutzer gebeten seine Gedanken, Empfindungen und Meinungen verbal zu äußern. So kann man über die Zufriedenheit, Verwirrung oder Frustration des Nutzers sofort erfahren und sie in Verbindung mit dem konkreten Task setzen, ohne ihn am Ende des Testes diese Fragen stellen zu müssen. Somit muss sich die Testperson die problematischen Stellen nicht bis ende des Testes merken. Die Reaktionen sind dann spontaner und ehrlicher, weil der Nutzer keine Zeit hat über die Formulierung nach zu denken.
Es existieren allerdings einige Risiken, die bedacht werden sollten:
Es existieren allerdings einige Risiken, die bedacht werden sollten:
- während einige Nutzer überhaupt kein Problem damit haben ihre Interaktion mit dem Produkt laut zu kommentieren (weil sie z.B. wie ich auch alleine zu Hause ihre Rechner ständig laut beschimpfen), ist für andere Thinking-aloud etwas unnatürliches. Solche Personen können in einer Situation in der sie dazu aufgefordert werden laut zu denken Unbehagen empfinden, was die Performance beeinflußen kann.
- Laut denken kann die Nutzer allerdings auch in eine andere Richtung beeinflussen. Die Testpersonen können dadurch etwas aufmerksamer und durchdachter die Aufgaben angehen. Somit werden möglicherweise Fehler verhindert die in einem schnelleren und weniger fokussierten Durchgang auftreten würden
- Für manche Nutzer kann es problematisch sein die Gedanken spontan in richtige Worte zu fassen
Posted by Agnieszka Walorska
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19:02
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Defined tags for this entry: internetpsychologie, psychologie, thinking aloud, usability, user tests

Wednesday, February 3. 2010
Umfrage zur Entscheidungsfindung
Ich bräuchte möglichst viele Antworten auf diese Umfrage - dauert nur ein Paar Sekunden...
Eine folgende Situation ist eingetroffen: eine seltsame Krankheit hat sich ausgebreitet, die 600 Personen betroffen hat. Die Personen wurden isoliert, so dass es keine Möglichkeit weiterer Ansteckung gibt. Es existieren genau zwei Handlungsmöglichkeiten.
Option 1: würde garantiert genau 200 Personen retten.
Option 2: es besteht eine 50-Prozentige Gefahr des Todes aller 600 und 50% auf die Rettung aller.
Bildergalerie kostenlos
Eine folgende Situation ist eingetroffen: eine seltsame Krankheit hat sich ausgebreitet, die 600 Personen betroffen hat. Die Personen wurden isoliert, so dass es keine Möglichkeit weiterer Ansteckung gibt. Es existieren genau zwei Handlungsmöglichkeiten.
Option 1: würde garantiert genau 200 Personen retten.
Option 2: es besteht eine 50-Prozentige Gefahr des Todes aller 600 und 50% auf die Rettung aller.
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