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Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse
Talebs Lösung des Problems der Unvorhersagbarkeit halte ich allerdings fĂŒr nur bedingt Ăberzeugend und zum Teil seiner ablehnung der Vorhersagen widersprechend. Er empfiehlt z.B. zwischen positiven und negativen ZufĂ€llen zu unterscheiden und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der ersten zu Maximieren, was eigentlich aber per se eine Vorhersage voraussetzt. NĂ€mlich die darĂŒber, ob man in deinem bestimmten Bereich eher mit den negativen oder mit den positiven ZufĂ€llen zu rechnen hat.
Ich finde, dass die in dem Buch dargestellten Ideen nicht besonders neu und bahnbrechend sind - ich halte sie eher fĂŒr eine interessante Synthese bereits vorher existierenden Gedanken aus der Philosophie, Psychologie und Logik. Ich halte seine Beobachtungen und die verwendeten Beispiele fĂŒr ziemlich zutreffend und seinen Stil fĂŒr ziemlich witzig, auch wenn einige seiner Formulierungen wirklich sehr arrogant und eingebildet wirken und den Anschein erwecken nur dem Ego-Aufbau des Autors zu dienen.
Trotzdem - finde ich gut es gelesen zu haben, auf jedem Fall keine verlorene Zeit gewesen. Egal ob und in welchem MaĂe man mit dem Autor ĂŒbereinstimmt - er regt zum Nachdenken und zur Diskussion an.

Wednesday, February 3. 2010
Umfrage zur Entscheidungsfindung
Eine folgende Situation ist eingetroffen: eine seltsame Krankheit hat sich ausgebreitet, die 600 Personen betroffen hat. Die Personen wurden isoliert, so dass es keine Möglichkeit weiterer Ansteckung gibt. Es existieren genau zwei Handlungsmöglichkeiten.
Option 1: wĂŒrde garantiert genau 200 Personen retten.
Option 2: es besteht eine 50-Prozentige Gefahr des Todes aller 600 und 50% auf die Rettung aller.
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Thursday, December 17. 2009
RationalitÀtsmythen und Web 2.0
Da ich mich einersetz schon seit lÀngerer Zeit mit dem Begriff RationalitÀt beschÀftige, anderseits seit paar Jahren beruflich mit Web 2.0 zu tun habe, hat mich die Idee des RationalitÀtsmythos Web 2.0 aus dem Aufsatz Web 2.0 als Mythos, Symbol und Erwartung gleich sehr angesprochen
Unter dem Begriff RationalitĂ€tsmythen versteht man die in der Gesellschaft institutionalisierte Regeln und Riten, die von den Mitglieder der Gesellschaft als selbstverstĂ€ndlich und rational erachtet werden. Diese werden nicht hinterfragt und ihre empirische PrĂŒfung und mögliche Widerlegung wird gemieden
Den Technologien und vor allem die GeschĂ€ftsideen in dem Bereich Web 2.0 liegen zum Teil RationalitĂ€tsmythen zu Grunde. Mittlerweile wurde vieles zwar entmythologisiert, aber 2006/2007 genossen die Web 2.0 Business-Ideen den taken-for-granted-Charakter. Die Frage nach Monetarisierung der Web 2.0 Start-ups wird oft eher verdrĂ€ngt oder verschoben. Es wurde als selbstverstĂ€ndlich erachtet, dass viele Nutzer automatisch viel Umsatz bedeuten mĂŒssen, ohne dass man sich groĂ ĂŒber die Einnahmequellen Gedanken macht. So schreiben die VZ-Netzwerke immer noch keine schwarze Zahlen (soll wohl 2010 passieren, na ja werden wir sehen), genauso wie Twitter, dessen GeschĂ€ftsfĂŒhrung sich darĂŒber nicht mal Gedanken zu machen scheint
Die Investoren und vielleicht zum Teil die "Start-up-Szene" mögen diese Mythen mittlerweile in Frage gestellt haben, fĂŒr Unternehmen jedoch, die nicht direkt aus dem Web 2.0 Umfeld kommen bleiben sie weiter bestehen. Die Unternehmen, die modern wirken möchten, sehen sich gezwungen "ein BiĂchen web 2.0" einsetzten zu mĂŒssen. Dabei wird kaum die Frage "warum" gestellt sondern eher nur "wie".
Thursday, July 30. 2009
TransintentionalitÀt
Ich habe mich vor einiger Zeit mit der Betrachtung der gesellschaftlichen Institutionen aus der Perspektive des rationalen sozialen Handelns beschĂ€ftigt, und dabei auf eine interessante Theorie der TransintentionalitĂ€t gestoĂen.
VergegenwĂ€rtigt man sich noch ein Mal, wie Struktureffekte aus Akteurkonstellationen hervorgehen, ist es eigentlich nicht sonderlich ĂŒberraschend, dass nicht IntentionalitĂ€t sondern TransintentionalitĂ€t weitaus hĂ€ufiger vorkommende Fall ist(Schimank, Handeln und Strukturen: EinfĂŒhrung in die akteurtheoretische Soziologie
Es existieren nach Schimank zwei Arten der TransintentionalitÀt:
Diese beiden Formen werden auf Institutionen angewendet, woraus drei so genannte Denkfiguren resultieren:
(Miebach, Soziologische Handlungstheorie: Eine EinfĂŒhrung
Diese Theorie ist eine interessante ErgÀnzung und Korrektur der RationalitÀtsgedanke und kann gut die Entstehung der PhÀnomene, die nicht von den rational handelnden Akteuren beabsichtigt werden, erklÀren.
Tuesday, June 30. 2009
Was bedeutet eigentlich RationalitÀt?
Rationale enim animal est homoschrieb Seneca in dem Brief 41 der Epistulae morales.
Die umgangssprachliche Bedeutung der RationalitĂ€t ist jedoch mit sehr viel UnschĂ€rfe belastet. Die Wörter mit dem Wortstamm Ratio- haben ihre etymologische Quelle im lateinischen ratio, dessen Sinngehalt sehr umfassend ist und nicht nur Vernunft, sondern auch Berechnung, Grund, Beweis, Argument, Mittel, Ăberlegung, Begriff, Erörterung, Lehre, Art, Motiv, ErklĂ€rung, Rechnung, Taktik, philosophische Ăberzeugung, Denkweise, Theorie bedeuten kann.
Schon auf der etymologischen Ebene entsteht also ein groĂer Interpretationsraum fĂŒr diesen Begriff. Diese Ăberzeugung von menschlicher RationalitĂ€t hindert uns nicht daran einige menschliche Handlungen und Ăberzeugung als irrational zu bezeichnen, obwohl ein Logiker dieser Bezeichnung entweder einen innerlichen Widerspruch oder Ăquivokationsfehler â die Benutzung des gleichen Wortes in zwei unterschiedlichen Bedeutungen.
WĂ€re es ein Widerspruch mĂŒsste man eine der Ăberzeugungen ablehnen, da wir jedoch eher nicht dazu geneigt sind dies zu tun, mĂŒssen wir die andere EventualitĂ€t in Betracht ziehen, nĂ€mlich, dass die RationalitĂ€t, die wir dem Menschen per se zuschreiben nicht der RationalitĂ€t der Menschlichen Handlungen oder Ăberzeugungen gleichbedeutend ist.
Im Folgenden könnte man feststellen, dass die Taten in einem etwas anderem Sinn rational bzw. irrational erscheinen als Ăberzeugungen. RationalitĂ€t als eine universelle Eigenschaft der menschlichen Spezies besteht nĂ€mlich darin, dass das Individuum, angesichts seiner Ăberzeugungen, so handelt um die Chancen der Erreichung der angestrebten Zielen zu maximieren. Unterschiedlich sind nur höchstens die Ziele der einzelnen Personen und die Menge der Werte und Ăberzeugungen, von denen die Mittel zur Erreichung begehrter Ziele abhĂ€ngen.
Die Ziele, im Gegensatz zu den Handlungen unterliegen keiner Wertung angesichts ihrer RationalitĂ€t. Als rational kann nĂ€mlich nur die Handlung zur Erreichung eines bestimmten Zieles bezeichnen, die tatsĂ€chlich zur Erreichung dieses Zieles fĂŒhren kann. Demnach können einige menschliche Taten als irrational bezeichnet werden, ohne dass die Annahme des Menschen als animal rationale widerlegt wird.
Diese Annahme ist nĂ€mlich eine wichtige methodologische Voraussetzung vieler Geistes- und Sozialwissenschaften (wie z.B. Soziologie, Wirtschafts- Politik- oder Rechtswissenschaften). Ohne diese Voraussetzung wĂ€re es schwer (wenn nicht unmöglich) zahlreiche Fakten und Erscheinungen zu erklĂ€ren und vor allem zukĂŒnftige Ereignisse oder Trends vorherzusehen. Prof. Joseph Salerno aus der Pace University hat dieses Problem folgend erklĂ€rt:
Wenn die Wirtschaftswissenschaftler sagen, dass die Menschen rational handeln, meinen sie damit nicht, dass diese Handlungen selbstsĂŒchtig, hedonistisch, ethisch oder unethisch, moralisch, verantwortungsvoll etc. sind. Sie sagen nur, dass das Verhalten zielgerichtet ist. Auch ein Dieb oder sogar Selbstmörder handeln rational. Ein Dieb benutzt keine Banane um eine Bank auszurauben, sondern ein GewĂ€hr [...]. Ein Selbstmörder springt nicht von einem Tisch sondern von einer BrĂŒcke.Quelle: www.barczentewicz.com
Die RationalitĂ€t der Entscheidung besteht in der Ableitung der optimalen Entscheidung unter bestimmten Bedingungen, entsprechend der fĂŒr die Situation angebrachten Normen und mit der BerĂŒcksichtigung aller zur VerfĂŒgung stehenden Informationen.






